Pilgerstab und Pilgermuschel

Pilgerausrüstung

Welche Ausrüstung die Pilger des Mittelalters bei sich trugen, erschließt sich aus dem wohl berühmtesten Lied der Jakobspilger "Wohl auf Sankt Jakobs Straßen". Die ersten drei Strophen lauten:
"Wer das elent bawen wel, der heb sich auf und sei mein gese! wol auf sant Jacobs straßen! Zwei par schuaoch der darf er wol ein schüßel bei der flaschen. - Ein braiten huot den sol er han und an Mantel sol er nit gan, mit Leder wol besezet, es schnei oder regn oder wähe der wint, daß in die luft nicht nezet. - Sack und stab ist auch darbei, er luog, daß er gebeichtet sei, gebeichtet und gebüßet! Kumt er in die welschen lant, er findt kein tuetschen priester. "

Die Kleidung uns Ausrüstung des Pilgers sollte ihn vor Wind und Wetter, wilden Tieren und Räubern schützen. Erst später wählten sich die Jakobspilger symbolische Gegenstände, die mit auf die Wallfahrt kamen. So konnte man einen Jakobspilger im Mittelalter bereits an seienm Äußeren erkennen. Dadurch wies er sich auch als Pilger aus und konnte die Wohltaten der Pilgerherbergen und Pilgerhospize in Anspruch nehmen. Zudem wurde er von Steuern freigestellt.

Pilgerstab

Wer das mittelalterliche Deutsch des Jakobsliedes nicht richtig lesen kann, dem seien nachfolgend noch einmal die Ausrüstungsgegenstände der Pilger genannt. Es waren ein breitkrempiger Filzhut, der Jakobshut, und die Pelerine, der knielange Pilgermantel. Daneben besaß der Jakobspilger zwei Paar Schuhe. Der Pilgerstab war ähnlich einem Hirtenstab wenigstens brusthoch und verfügte über eine Eisenspitze. Er war Hilfe beim Wandern und konnte auch als Waffe benutzt werden. Das Oberteil des Pilgerstabes war hakenförmig und es war ein kleiiner Sack daran befestigt, der den kleinen Proviant enthielt. Daneben hatte der Jakobspilger eine Pilgertasche aus gegerbtem Tierfell, nicht groß, denn er konnte nur das nötigste mit sich führen. Hinzu kam eine Trinkflasche, die am Gürtel befestigt wurde.
Die Pilgertasche und den Pilgerstab erhielt der Pilgeranwärter vor seiner Reise in einer kirchlichen Zeremonie mit einer Segnung übergeben.

Pilgerpass

Vielleicht das wichtigste Utensil für die Pilgerreise aber war der Pilgerpass oder Pilgerausweis. Denn er öffnete Klöster, Spitäler und Hospize, um Verpflegung und Unterkunft oder andere milde Gaben zu erhalten. Oftmal stellte auch die Pfarrgemeinde oder der Landesherr oder Landesbischof einen Geleitbrief oder Passierschein für die Pilger aus.

Jakobsmuschel

Das wichtigste Symbol der Jakobspilger aber war die Jakobsmuschel. Doch wie wurde diese Große Pilgermuschel, lat. Pecten maximus, die man im Nordatlantik und sehr häufig an der Küste Galiciens findet, zum Symbol der Jakobspilger? Einer Legende zufolge ritt ein junger Adliger dem Schiff, dass den Leichnam des Apostels Jakobus nach Spanien führte, vom Kap Finisterre aus durch die Wellen des Atlantiks entgegen. Die Wellen schlugen über ihm zusammen, doch der Heilige half ihm, glücklich zurück ans Ufer zu kommen. Er war jedoch, genau wie sein Pferd, vollkommen mit Muscheln bedeckt.
Die Muschel ist auch das Symbol für die Unbefleckte Empfängnis der Jungfrau Maria. Die Perle in der Muschel steht für Jesus Christus, wie er aus der Verbindung zwischen Himmel und Erde geboren ist. Damit symbolisiert die Muschel ebenfalls das Zusammentreffen des Pilgers mit dem Göttlichen.
Das christliche Symbol der Muschel wird ganz aktuell auch von Papst Benedikt XVI in seinem Wappen geführt.